Unterrichtsbefreiung aus religiösen Gründen

Freistellung vom Unterricht

 

... Religion, Sport und Sexualkunde: reine Privatsache?

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Eine generelle Befreiung von der Schulpflicht aus pädagogischen oder religiösen Gründen ist unzulässig. Eltern können ihr Kind nicht aus religiösen Gründen der öffentlichen Schule entziehen, um es zu Hause etwa im Wege des "Homeschooling" zu unterrichten.

2. Befreiung vom Sportunterricht

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Religiöse Gründe

Die Befreiung vom koedukativen Sport- und Schwimmunterricht, also gemeinsamen Unterricht von Mädchen und Jungen, aus religiösen Gründen ist der zweithäufigste Fall. Vor allem islamische Schülerinnen können wegen der Sportausbildung in Gewissenskonflikte geraten. Meist werden folgende zwei Gründe von muslimischen Schülerinnen oder deren Eltern vorgebracht:
Die muslimischen Mädchen sollen nicht

  • in der leichten Sportkleidung am Turn- oder Schwimmunterricht teilnehmen und
  • mit Jungen zusammen Sport treiben (koedukativer Unterricht).

Dabei berufen sie sich auf die Bekleidungsvorschriften des Koran und auf die in Artikel 4 des Grundgesetzes garantierte Glaubensfreiheit sowie das Erziehungsrecht der Eltern, Art. 6 Abs. 2 Grundgesetz (GG).

Im Gegensatz dazu wollen viele Schulen einer Befreiung nicht zustimmen. Dabei berufen sie sich auf das Grundgesetz und den dort festgelegten Erziehungs- und Bildungsauftrag des Staates (Art. 7 Abs.1 Grundgesetz). Der Staat hat danach das Recht, für das Schulsystem bestimmte Erziehungs- und Bildungsziele festzulegen. Dazu gehört die Schulpflicht. An einem Pflichtunterricht, zu dem auch der Sportunterricht gehört, sollen alle Schüler teilnehmen müssen. Dies soll der Gesundheit und Persönlichkeitsentwicklung dienen und die Integration junger Menschen fördern.

Die Gerichte versuchen einen schonenden Ausgleich zwischen diesen unterschiedlichen Interessen zu finden. Die Schulen und auch die Eltern sowie das muslimische Mädchen sollen alle zumutbaren organisatorischen Möglichkeiten ausschöpfen, um den Konflikt zu lösen.

Den Bekleidungsvorschriften des Islam kann zum Beispiel mit einer Bekleidung, die den Körper bis auf Gesicht und Hände vollständig verhüllt und bei entsprechender Beschaffenheit des Stoffes ein enges Anliegen am Körper ausschließt, Rechnung getragen werden. Auch gibt es den islamischen Bekleidungsvorschriften entsprechende Badeanzüge für den koedukativen Schimmunterricht.

Doch selbst wenn organisatorische Hemmnisse einer Teilnahme entgegenstehen, kommt eine Befreiung nur in Betracht, wenn glaubhaft darlegt werden kann, dass

  • eine zwingende Glaubensvorschrift der Religion die Schülerin daran hindert, am Sportunterricht teilzunehmen,

  • sie sich auch sonst an die Gebote der Religionsgemeinschaft hält und

  • vor allem Bekleidungsvorschriften des Koran in ihrem täglichen Leben konsequent beachtet und sie in der Öffentlichkeit und dem sonstigen Schulunterricht ein Kopftuch und weite Kleider trägt.

Sofern die Schülerin das 14. Lebensjahr vollendet hat, also religionsmündig ist, sollte die Schule die wachsende Selbstverantwortung des Mädchens zunehmend bei der Entscheidung über eine Befreiung beachten; denn oftmals hat die Schülerin bereits ein anderes religiöses Empfinden als das ihrer Eltern entwickelt.

 

3. Befreiung vom Sexualkundeunterricht

Eine Befreiung vom Sexualkundeunterricht wird in aller Regel nicht aus Glaubensgründen gerechtfertigt. Das heißt, dass auch Kinder und Jugendliche aus anderen Kulturkreisen mit anderen Religionen prinzipiell an der Sexualerziehung teilnehmen müssen. Denn der staatliche Bildungs- und Erziehungsauftrag unterliegt gründsätzlich keinen Einschränkungen. Das Bundesverwaltungsgericht hat Maßstäbe der Offenheit für verschiedene Wertvorstellungen, der Rücksichtnahme auf das natürliche Erziehungsrecht der Eltern und deren religiöse und weltanschauliche Überzeugungen entwickelt. Eine Indoktrinierung der Schüler soll so verhindert werden.

Die Sexualerziehung ist inzwischen in sämtlichen Ländern gesetzlich geregelt. Sie soll dir nicht nur die bloßen biologischen und anderen Tatsachen aus dem sexuellen Bereich vermitteln, sondern geht weit darüber hinaus. Allerdings haben die Länder die Vorgabe, dass die inhaltlichen Anforderungen dem Reifegrad und Alter der Schüler entsprechen müssen.

Gut zu wissen

Dem grundrechtlich geschützten Erziehungsrecht der Eltern wird dadurch Rechnung getragen, dass diese rechtzeitig über Inhalt und Form des Sexualkundeunterrichts informiert werden und ihnen Gelegenheit zur Aussprache gegeben wird. Zudem wird das Gebot der Toleranz und Zurückhaltung groß geschrieben.

Quelle: www.das.de/de/rechtsportal/schule-und-unterricht/schulpflicht/freistellung-unterricht.aspx

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